Bentley Brooklands

Ein wahrer Bentley, der intern als “Havana-Projekt” bekannt war und heute klarer Anwärter auf den Titel “Klassiker der Zukunft” ist.

Durch seinen sportlichen Luxus, seine Exklusivität und seine traditionelle Herkunft setzte er seinerzeit Maßstäbe in der Handwerks- und Ingenieurskunst.
In 650 Arbeitsstunden, wovon rein 130 für das zusammenschweißen der Karosserie notwendig waren, wurde das auf dem Bentley Azure basierende zweitürige Hardtop-Coupe mit Platz für 4 Personen in Handarbeit im damaligen Hauptwerk und seit 2002 Bentley’s Firmensitz in Crewe zusammengebaut. Seine elegante und für diese Zeit Bentley-typische Silhouette ist vermutlich auch der Grund für den Projektnamen “Havana”. Es wird hier vermutet, dass aufgrund der Designlinie und Überhänge des Fahrzeuges Assoziationen zur Form der kubanischen Zigarre bzw. zu einem idealen Rahmen für den Genuss einer kubanischen Zigarre beim Designteam von Bentley ausgelöst wurden.

Von den ab 2008 bis 2011 ursprünglich auf 550 Stück limitierten Fahrzeugen wurden nur ca. 430 tatsächlich verkauft. So wurden nach der Premiere 2007 am Genfer Automobilsalon von den dort schon ca. 500 unterzeichneten Verträgen, einige Bestellung, vermutlich aufgrund der Finanzkrise 2008 und dem hohem Preislevel, von potenziellen Käufern anschließend doch noch storniert. Besonders diese geringe Stückzahl und der damalige staatliche Grundpreis von 345.100 Euro machen den Brooklands heute zu einem der begehrtesten Bentleys am Markt. Noch dazu lief kaum ein Fahrzeug mit der absoluten Grundausstattung vom Band, ganz im Gegenteil, durch Individualisierungen und Kundenwünsche wurden die Preise nicht selten weit über die halbe Million getrieben, was jeden einzelnen Brooklands zum Unikat macht.

Seinen Modellnamen hat der Bentley Brookland jedoch nicht seiner wunderschönen Form zu verdanken, sondern den früheren Motorsporterfolgen von Bentley auf der in der englischen Grafschaft Surrey befindlichen Rennstrecke namens Brooklands. Seine Rennsport-DNA kann der Brooklands ohnedies auch nicht verleugnen. Schon das erste Modell in den Jahren 1992 bis 1998 verdankte seinem eigens von Bentley entwickelten 6 ¾ Liter V8 Motor und der Leistung von 245PS (R-Version mit 305PS) in Kombination mit der dazu gekoppelten 4 Gang Automatik einen für diese Zeit sehr kräftigen Antrieb. Der Motor entsprach zu dieser Zeit schon der Bentley Philosophie, nämlich jederzeit großzügige Kraftreserven abrufbar zu haben. Getopt wurde das ganze dann mit dem zweiten Brooklands von 2008 bis 2011. Nicht ohne Grund wurde dessen Aggregat 2008 zum Motor mit dem höchsten Drehmoment für einen seriengefertigten V8 Ottomotor gekrönt. Eine Medaille für Bentley’s dienstältestes und durchaus legendäres Triebwerk der Rolls-Royce-Bentley L-Series V8 Motoren Serie (1959 erster Einsatz im Silver Cloud II, Phantom und S2 Series).

Selbst Top Gear Moderator Jeremy Clarkson wurde im Zuge einer Testfahrt (Serie 11) Zeuge der gewaltigen Drehmomententfaltung auf der Hinterachse, als es dem Bentley Brooklands während eines kontrolliertem Übersteuervorganges einen Hinterreifen abzog. Denn wenn erstmal die gewaltigen 537PS und 1050Nm vom Biturbo aufgeladenen V8-Triebwerk über die 6-Gang Automatik auf die Hinterachse losgelassen werden hebt sich die Front des fast 2,7 Tonnen schweren und 5,4 Meter langen Fahrzeuges ähnlich wie bei einer Yacht und es scheint als würde man gediegen über sämtliche Wellen surfen.

So wird auch schon nach 5.3 Sekunden aus dem Stand die 100 km/h Marke überwunden. Aber nicht nur der Antrieb nach vorne kann sich sehen lassen, auch der Bremsweg anschließend von den 100 km/h wieder zurück auf Stillstand kann sich sehen lassen. 36,5 Meter (kalt) und 37,3 Meter (warm) sind für ein Flaggschiff wie den Brooklands leistungsstarke Werte. Kontrollierter Antrieb, sportbetontes Handling, auf Wunsch leistungsstärkere Carbon-Keramik Bremsen, eine Plattform noch ohne VW Einfluss und luxuriöse Ausstattung stellen überdies noch bei 160 km/h für bis zu 4 Personen ein angenehmes und besonderes Reiseerlebnis sicher.

Dieses Fahrzeug jedoch nur aufgrund seiner Silhouette und dem Aggregat unter der Haube zu bewerten wäre ein Schande. Im Innenraum herrscht dank wunderschönem Wurzelholz, schwerem Chrom und geschmeidigem Leder Clubatmosphäre auf höchstem Niveau. Hochflorige Teppiche, Mobiliar wie in einer britischen Edelboutique und der himmlische Lederduft machen den Einstieg zum Erlebnis. So wie das Exterieur aus einem Block gemeißelt scheint, so strahlt das Interieur Perfektionismus wie aus einem Stück geschnitzt aus. Beides lässt den Bentley Brooklands noch heute wie eine unnahbare Festung wirken. Nicht umsonst ist Bentley offizieller Hoflieferant der britischen Königsfamilie. Die Frage ist nur, wie viel Adel in Ihnen steckt?

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